Anlässlich der Herbstmesse Solothurn wird an einer Outdoor-Ausstellung der «Kraftort Wald» thematisiert.

«Ich wünsche mir, dass wir uns die Zeit nehmen, das Schöne zu schätzen» – kaum treffender könnte das Bedürfnis sein, auf das die Sonderschau «Kraftort Wald» der morgen startenden Herbstmesse reagiert. Dieser ausformulierte Wunsch von unbekannt steht auf einem «Eichenblatt» geschrieben, das bereits jetzt am «Wunschbaum» beim Eingang der Ausstellung hängt. Biegt man nämlich von der baldig hektischen «HESO-Verkehrsachse» beim Schanzengraben Richtung Sonderschau ab, so taucht man ins Dickicht eines Waldes ein, der in den letzten Tagen inmitten der Stadt scheinbar natürlich gewachsen ist.

Und hier soll Zeit genug sein, um das Schöne – und auch das Gute – bei einem «Waldbad» zu erfahren, wie es die Japaner nennen würden. Das weiss auch Geri Kaufmann, Projektleiter der Sonderschau. Er blickt auf hektische Wochen der Vorbereitung zurück, durfte aber kürzlich bei einer Waldbegehung einmal mehr feststellen, wie sich inmitten der Bäume Kraft tanken lässt. «Der Wald hat erwiesenermassen eine positive Wirkung», sagt Kaufmann. Was zu beweisen sein wird – wenn am Freitag die HESO eröffnet.

Der Wald in allen Facetten

Die Ausstellung steht unter Federführung des Bürgergemeinden- und Waldeigentümer-Verbands Kanton Solothurn (BWSo), des kantonalen Amts für Wald, Jagd und Fischerei sowie des Forstpersonal-Verbands des Kantons. Für die Ausstellungsgestaltung zeichnet Liliane Herzog vom Atelier Herzog verantwortlich, für die grafische Konzeption der Sonderschau Werne Feller von der Werbeagentur Sowas.

Auf einem Waldparcours unter freiem Himmel wollen die Initianten facettenreich aufzeigen, wie wichtig ein nachhaltig bewirtschafteter Wald ist. Mit dem Wunschbaum und Solothurner Wald-Sagen zum Nachhören spricht die Sonderschau die emotionale und spirituelle Kraft des Waldes an. Auch lassen sich kleine Waldkunstwerke in Klang und Gestalt vor Ort erzeugen. Einige Schritte weiter betonen eine kleine Heilkräuter-«Apotheke» und eine «Waldwasserquelle» die gesundheitsfördernde Kraft, die sich im Unterholz finden lässt.

Liegen aus Moos entlasten die durch den HESO-Bummel strapazierten Fusssohlen. Stellvertretend für den Nährstoffkreislauf der Natur stehen ein sturmversehrter Baumstamm sowie eine Totholz-Nische. «Im autarken System Wald braucht es keinen Dünger», erklärt Kaufmann die Lebenskraft, die im Wald steckt und die den Zyklus antreibt, der vom Wachsen über das Sterben bis hin zum Zerfall und der Neuentstehung reicht. Unter dem Stichwort «Schützende Kraft» wird der breite Anwendungsbereich aufgezeigt, in dem der Baustoff Holz zum Einsatz kommt. Zum Beispiel als begehbarer Turm, der einen Überblick übers HESO-Gelände gewährt.

Und natürlich wohnt dem Holz aus dem Wald die wärmende Kraft in Form von Stückholz, Schnitzel oder Pellets inne. Energie, die sich an der Sonderschau durchaus dazu nutzen lässt, eine Wurst zu braten.

Bürgergemeinden im Fokus

Eigentliches Herzstück der Sonderschau ist der Pavillon unter dem Namen «Bürgergemeindehaus», wo diese Institution über ihre Rolle als Waldbesitzerin hinaus beleuchtet wird. Gerade der Einbürgerungsthematik ist eine eigene Nische gewidmet, die über die Bedingungen zum Schweizerwerden und die Rechte des Schweizerseins aufklärt. Auch wird ein Überblick über sämtliche Bürgergemeinden des Kantons Solothurn und ihre Waldbestände geboten.

Der «Waldkiosk» neben dem «Bürgergemeindehaus» lädt dazu ein, sich für eine Waldführung anzumelden. Denn so wie der Wald zum HESO-Besucher gebracht wird, ist auch der umgekehrte Weg möglich. Angeboten werden poetische, botanische, «pharmazeutische», aber auch klimakritische Waldbegehungen für Gross und Klein im Gebiet Martinsflue am nördlichen Stadtrand. Ebenso abseits vom HESO-Gelände werden sich rund 100 Schulklassen an einer Auswahl von 27 Waldposten dem Thema auf vielseitige Weise widmen.

«Kann der Wald bleiben?»

Dass das Wäldli beim Schanzengraben bereits vor der HESO von Passanten ins Herz geschlossen wurde, weiss Liliane Herzog: «Wir wurden oft gefragt, ob es nicht nach der Herbstmesse stehen bleiben darf.» Wenn auch nur auf Zeit: Auch für sie ist dieser «Kraftort Wald» ein «schöner Arbeitsort».

Sonderschau an der HESO 2018